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Montag, 11. März 2013

Norseman Cup Day - Teil I

Es gibt mal wieder etwas Besonderes zu berichten. Und zwar mal wieder Etwas über einen ziemlich perfekten Tag. Es zeigt sich immer wieder, die schönsten Tage in Australien sind einfach diejenigen, die man nicht planen und voraussehen kann. Alles ist mal wieder mehr oder weniger spontan zusammengekommen und herausgekommen ist ein wunderschöner Tag für den ich Australien einfach so liebe. Ich bin mittlerweile auch am Höhepunkt meiner australischen Karriere angekommen und ich habe meine zweite Berufung gefunden. Aber fangen wir mal ganz von vorne an. 

Die letzten 2 Wochen war ich ziemlich hart am arbeiten. Christine hat sich in der Küche an der nagelneuen scharfen Reibe gleich mal ein schönes Stück Fleisch vom Finger abgeschnitten. Naja, sie musste zum Doktor nach Norseman fahren, was auch gleichzeitig das Krankenhaus dort ist. Sie wurde für eine Woche krank geschrieben. Dave musste dann natürlich umorganisieren und jeder musste nun natürlich etwas mehr schuften, um ihre Stunden zu kompensieren. Sollte mir natürlich recht sein. So musste ich letzte Woche zum Teil 12 Stunden Schichten schieben. 8 Uhr Start. 22 Uhr Ende. Aber hey, ich will mich nicht beschweren., wir sind hier schließlich in Balladonia. Da will jeder Geld machen ohne Ende. Luke, der jeden Freitag mit dem Truck aus Esperance kommt, hatte uns vor ein paar Wochen mal angeboten, dass er uns Zeug mitbringen könnte, falls wir etwas bräuchten. Da alles in Balladonia natürlich wahnsinnig teuer ist, sind wir natürlich auf dieses nette Angebot zurückgekommen und haben gleich mal ein paar Bierkisten aus Esperance ohne Dave’s Wissen bestellt. Dave ist immer ein wenig angepisst, wenn wir Alkohol nicht hier im Roadhouse kaufen, sondern von woanders kaufen. Aber mal ehrlich. Die Kiste Carlton Dry kostet hier in Balladonia fast 70$ (~55€). Luke kann uns die gleiche Kiste aus Esperance schon für 40$ (~32€) besorgen. Als Luke dann eines freitags mit dem Truck aufschlug, haben wir also ein paar prallgefüllte Bierkisten an Dave vorbei in unsere Zimmer geschmuggelt :D Ihr seht, die Versorgung läuft in Balladonia. Normalerweise bekommen wir auch nicht die Gerichte vom a’la carte Menü. Einen Tag hatte Dave aber anscheinend die Spendierhosen an und lud uns zum Mitarbeiterdinner ein. Kurzerhand haben wir den Werktisch in der Küche, an dem sonst Gemüse und alles Mögliche geschnippelt wird, in einen Dinnertisch umfunktioniert. Jeder durfte ein Gericht vom a’la carte Menü seiner Wahl suchen. Ich habe mir es natürlich nicht nehmen lassen, dass Scotchfillet zu bestellen. Es ist das teuerste Gericht überhaupt. Es kostet 32,90$ (~25€). Das war ein herzhaftet Stück Fleisch sage ich Euch. Super lecker.

Der umfunktionierte Dinnertisch

 Mein Scotchfillet


 Hochkonzentriert beim Arbeiten


Unsere skandininavischen Mitarbeiter Mari-Liis (Estland) und Heidi (Finnland)


 Bewölkter Sonnenuntergang in Balladonia


Irgendwann in den letzten Wochen hatte Dave dann ein neues Memo an das „Staff Board“ geheftet. Das Staff Board ist die Informationstafel für alle Mitarbeiter hier. Dort findet man den Schichtplan und alles Mögliche, was in Balladonia von Interesse sein könnte, was wahrlich nicht sehr Viel ist ;) Jedenfalls dauerte es nicht einmal 1 Minute bis Heidi und ich Dave’s neues Memo gesehen haben.
Jedes Jahr im März findet der Norseman Cup Day statt, ein Outback-Pferderennen, zu dem sogar Leute extra aus Perth, Kalgoorlie und Esperance in dieses kleine Städtchen reisen. Um es anders zu sagen. An diesem Tag, wahrscheinlich dem einzigsten im Jahr, wird aus der kleinen ruhigen Stadt mit ein paar tausend Einwohnern eine richtige Kleinstadt von öffentlichem Interesse. Und alle Besucher sind natürlich durstig. Sehr durstig. Man muss allerdings eine Lizenz in Australien besitzen, um Alkohol ausschenken zu dürfen. Da es in Norseman allerdings anscheinend nur einen wirklichen Pub gibt, gibt es auch nur einen Lizenzinhaber, Clay vom Pub in Norseman. Da Clay jedoch an diesem Tag den Durst der Besucher im Pub stillen muss, musste ein anderer Lizenzinhaber für den Ausschank an der Pferderennbahn gefunden werden. Und da kommt Dave jedes Jahr ins Gespräch, da er anscheinend der nächstegelegene Lizenzinhaber ist. Jedes Jahr voluntiert er also bei diesem Pferderennen. Und an der Bar braucht er natürlich dann auch ein paar Arbeitskräfte. Und genau darum ging es in dem Memo. Dave suchte ein paar Freiwillige für die Bar. Da man für die Bar ein RSA (Responsible Service of Alcohol – ist so etwas wie eine Ausschanklizenz für Mitarbeiter) in Australien braucht, kamen also nur Mike, Mari-Liis, Heidi oder ich in Frage. Bevor also Mike oder Mari-Liis das Memo sehen konnten, sind Heidi und ich schon zu Dave gesprintet und haben ihm deutlich gemacht: „Hier, ich will. Nimm mich.“ Heidi und ich sollten also mit Dave am 9.März zum Norseman Cup Day fahren. Es war uns egal, ob die Arbeit bezahlt ist oder nicht. Einfach mal einen Tag aus Balladonia herauszukommen. Schon allein das war es wert.
3 Tage vor dem Pferderennen hat mich dann Dave zu einen persönlichen Gespräch in sein Büro gerufen. Clay vom Pub in Norseman hatte ihn angerufen. Eine Mitarbeiterin von der Bar sei krank und im Krankenhaus. Sie bräuchten dringend einen Ersatz für den Tag des Pferderennens. Natürlich wieder jemand mit RSA. Dave sagte also: „Die brauchen jemanden für Samstag Abend. Du bist der Einzige, der mir eingefallen ist, der vielleicht Lust hätte dort zu arbeiten.“ Er fragte mich also,  ob ich nach dem Pferderennen noch für ein paar Stunden für 20$ die Stunde cash aushelfen könnte. Was für eine Sternstunde in meiner australischen Karriere. Ich hatte die 20$ total überhört. Das Einzige, was in meinen Ohren schallte, war das Wort „Pub“. Hat er mich gerade ernsthaft gefragt, ob ich an einen der geschäftigsten Tage Norsemans im Pub arbeiten möchte? Ich, als richtiger Barkeeper in einem Outback-Pub?!?! Wahnsinn. Besser geht’s einfach nicht mehr. Ich meinte mittlerweile bin ich ja schon etwas geübt an der Bar in Balladonia, aber das ist einfach überhaupt nicht zu vergleichen zu einem richtigen Outbackpub in einem kleinen Minenstädtchen. Ich war aus dem Häuschen und konnte es mal wieder nicht fassen, was mir da gerade angeboten wurde.

Letzten Samstag ging es also mit Heidi und Dave früh morgens auf ins 2 Stunden entfernte Norseman. Dave hat uns zunächst eine halbe Stunde Zeit gegeben, um ein wenig im örtlichen IGA Supermarkt shoppen zu gehen. Ihr glaubt gar nicht, wie geil es sich anfühlt, nach 2 Monaten mal wieder in einen vollgestopften Supermarkt zu kommen. Konsumgüter überall. Ich fühlte mich, als wäre ich gerade aus einem Entwicklungsland geflohen und habe das erste mal die Chance ein wenig Luxus für Geld zu kaufen. Dave’s Auto bis zum Rand vollgestopft ging es also zur Pferderennstrecke. Dort angekommen, haben wir Trevor wiedergetroffen mit dem ich das alte Roadhouse eingerissen habe. Er hat uns einen Insidertipp gegeben. Wir sollten eine Wette auf das Pferd 4 im Rennen 4 abschließen. Gar nicht mal ein so schlechter Tipp, wie sich später herausstellen sollte. Und der Schauplatz war wie erwartet. Eine braun- bis rotartige Rennbahn. Ringsherum australischer Busch. Im Hintergrund ragt die Goldmine in die Höhe, welche Norseman wahrscheinlich wirtschaftlich am Überleben hält. Alles sieht hier nach Marke Eigenbau aus. Outback halt. Ich bin mit Heidi ein wenig herumgelaufen und wir haben uns ein wenig umgesehen. Pferde gestreichelt, unseren Arbeitsplatz für den Tag besichtigt (die Bar) und und und. Als ich von einem erhöhtem Posten an der Rennstrecke wieder runtergekommen bin, von dem aus ich ein paar Bilder geschossen habe, hat mich jemand angesprochen: „Hast du alles aufgebaut?“ „Aufgebaut????“ „Bist du nicht der Typ fürs Foto-Finish?“ Ich musste erstmal herzlich lachen. Der Typ hat mich mit meiner Kamera gesehen und dachte echt, dass ich die Foto-Finishes mache und auswerte :D Genial.

Die Rennstrecke und ringsherum




Im Hintergrund türmt sich die Goldmine auf


Norseman ist die letzte Stadt bevor es auf den 2000km langen Eyre Highway nach Adelaide gibt. Die letzte Station, um aufzustocken sozusagen. Es gibt hier eine wirklich riesige BP Tankstelle. Und wie es der Zufall so will gehört die Tankstelle zur selben Firma, wie unser Roadhouse. Ich habe also einige unserer Kollegen von der BP in Norseman kennengelernt und Lena aus Hamburg von der BP Norseman hat an diesem Tag sogar zusammen mit uns an der Bar gearbeitet. Es hat super Spaß gemacht. Die Frauen, waren mega gestylt und hatten sündhaft teure und attraktive Kleider an, wie es hier bei den Pferderennen so üblich ist. Die Leute waren sehr durstig und uns gingen nach ein paar Stunden schon die ersten Getränke aus. Zum Ende hin wurden die Leute natürlich auch aufgrund des steigenden Alkoholpegels ein wenig unfreundlicher. Aber das gehört ja auch irgendwie dazu, einem betrunkenen Outbackcowboy oder einem zahnlosen Minenarbeiter klar zu machen, dass sie genug getrunken haben (und wohl besser nach Hause gehen sollten, um über ihr Leben nachzudenken). Ich fand es jedenfalls super und es war mal wieder eine weitere Erfahrung auf meiner Reise. Die Pferde haben wir natürlich auch ab und an uns vorbei ziehen sehen. Wenn hier eines ganz groß in Australien ist, dann ist es Gambling (Wettspiele). Leute haben hunderte an Dollar auf Pferde gesetzt. Und wir wollten natürlich ein Teil dessen sein. Wir wollten also jeder mit 5 Dollar just vor fun eine Wette auf ein Pferd abschließen. Wir hatten natürlich noch den Insidertipp von Trevor im Hinterkopf. Aber ich traute dem Braten nicht so ganz. Es gibt 2 Möglichkeiten, auf ein Pferd zu setzen. Winner oder Place. Bei Winner gewinnt man nur, wenn das Pferd den ersten Platz erreicht. Bei Place gewinnt man, wenn das gewählte Pferd auf einen der drei ersten Plätze landet. Die Gewinnquote ist natürlich bei Winner viel höher, aber dafür ist die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen bei Place natürlich viel höher. Ich habe mich also für Place entschieden. Und es war die goldrichtige Entscheidung. Unser Pferd landete im Foto-Finish auf dem zweiten Platz. Aus meinem 5$ habe ich also 6,50$ gemacht. 1,50$ Gewinn. Haha, es ist zwar nicht viel, aber das Gefühl gewonnen zu haben, ist schon toll. Bei jedem Rennen gehen Raunen und Jubelschreie durch die Menschenmassen. Diese Emotionen sind jedoch witzigerweise nicht den sportlichen Leistungen der Pferde und ihren Reitern gewidmet, sondern viel mehr der Gewissheit, dass man gerade unzählige Dollar gewonnen oder verloren hat. Australier sind Zocker.




Unser Arbeitsplatz: Die Bar



 Dann wurde es voll. Das ist übrigens Lena von der BP Tankstelle in Norseman


Heidi kassierte den ganzen Tag


Die High Society Norsemans


Mein Wettticket, dass mir einen Gewinn von 1.50$ gebracht hat.


Und natürlich noch ein paar Bilder von den Pferden in Aktion



Mittwoch, 27. Februar 2013

Reisebibel - Der Lerneffekt

Da es im Moment nicht soviel zu erleben gibt, ist es mal an der Zeit ein paar Schlussfolgerungen zu ziehen und meine Reise zu reflektieren. Vieles von dem, was ich schreibe, kann man wahrscheinlich nur sehr schwer nachvollziehen, wenn man nicht selbst in meiner Lage war. Am besten können es wahrscheinlich die Leser hier nachvollziehen, die selbst für eine solange Zeit durch die Weltgeschichte gereist sind. Heute geht es um den Lerneffekt einer Reise. Was hat mir dieses Abenteuer bis jetzt gebracht? Was lernt man über sich und die Welt?

Freie Selbstentfaltung

Es ist schier unglaublich, aber das Reisen ist der absolute Klimax für Freiheit und Unabhängigkeit. Man hat keine Verpflichtungen, die einen an irgendetwas binden. Ich habe Lust auf etwas. Ich mache es. Ich fühle mich unwohl, ich lasse es sein. Die einzigsten Verpflichtungen die man hat, legt man sich selbst auf. Jeden Tag aufs neue entscheiden zu können, was man mit dem Tag anfängt, ist einfach der Höhepunkt des Seins. Man kann sich von Reisepartnern trennen, wann immer man will, man kann die Arbeit kündigen, wann immer man will, man kann im Hostel auschecken, wann immer man will. Zu Hause geht das nicht. Mal eben Haus und Hof zurückzulassen, ist schwieriger als man denkt. Und vor allem den geliebten Job aufzugeben. Wer möchte das schon? Aber da zeigt sich, wer den Mut hat Altes aufzugeben und Neues zu entdecken.  Jeden Morgen Aufzuwachen und zufrieden festzustellen, dass man sein eigener Herr ist, ist traumhaft. Keine Entscheidung wird hinterfragt, man macht es einfach. 

Selbstständigkeit und Kampfgeist

Man lernt absolut über sich herauszuwachsen und an jeder Herausforderung, der man sich stellt, wächst man. Ein großer Nachteil, aus seinem gewohnten Umfeld herauszukommen ist, dass man keine Hilfe bekommt und man ganz allein auf sich gestellt ist. Das fängt bei gewöhnlichen Dingen, wie Wäsche waschen und Kochen an. Zu Hause war das alles irgendwie einfacher :D Aber der Mensch ist sehr lernfähig. Not macht erfinderisch und so lernt man sich selbst zu helfen und sich mit gewissen Dingen zu arrangieren. Je mehr Herausforderungen man sich stellt, desto mehr merkt man allerdings, dass es kein Nachteil ist, sondern ein Vorteil, von zu Hause weg zu sein.
Man lernt, niemals aufzugeben. Für alles gibt es eine Lösung. Ich kann es selbst nicht glauben, aber manch einfache triviale Dinge hier haben mich so stolz gemacht, wie ich es nicht mal im Studium oder auf der Arbeit war, wo man denkt, die Herausforderungen seien viel größer. Beim Reisen lernt man grundsätzliche Dinge des Lebens und wie man selbst am besten „überlebt“. Es ist schwer zu beschreiben. Aber auf keine fremde Hilfe angewiesen zu sein und sich aus eigener Kraft zu helfen, fühlt sich verdammt gut an.
Meine größte Herausforderung bestand in der Sprachbarriere am Anfang. Nie hätte ich gedacht, mal im Supermarkt an einer Kasse Kunden auf Englisch zu bedienen oder sogar als Barkeeper zu arbeiten.  Auch meine härteste Herausforderung, die Steuererklärung letztes Jahr, hat mich echt viel Nerven gekostet. Aber am Ende war ich so stolz aus eigener Kraft diesen Kampf gewonnen zu haben und als Belohnung gab es sogar 3500$. Nie zuvor musste ich so hart arbeiten, wie beim Fruitpicking oder in den Lagerhäusern. Das ich es tatsächlich jedes Mal bis zum Ende durchgezogen habe, macht mich einfach nur stolz.

Minimalismus

Man lernt, dass man eigentlich nur sehr wenige Dinge im Leben braucht, um glücklich zu sein. Seit fast 2 Jahren reise ich nun mit nichts mehr als meinem Koffer und meinem Rucksack durch Australien. Und irgendwie vermisse ich Nichts von dem, was ich zu Hause alles hatte. Es muss nicht immer alles Luxus sein, solange man sich selber wohl fühlt, reicht ein einfacher Lebenstil völlig aus. Ich habe seit fast 2 Jahren keine Badewanne mehr gesehen, keine eigene Wohnung mehr gehabt, keinen regelmäßigen Job, kein eigenes Bett etc. Und erstaunlicherweise, es ist OK. Viele denken wahrscheinlich, wie das funktioniert. Ich kann es nicht erklären, aber es funktioniert wirklich. Ich habe sogar 3 Monate in Darwin im Auto geschlafen und gelebt. Nicht einfach, aber es war eine der schönsten Erfahrungen unter Sternenhimmel einzuschlafen. Manchmal sind eben  3 Schritte zurück 10 Schritte vorwärts. Man teilt sein Lebensraum mit anderen Menschen 24 Stunden, 7 Tage die Woche und es ist OK. Das Einzige, was man im Leben braucht, ist die Gesundheit. Der Rest ist Luxus. Ich habe Euch ja von dem Rentner erzählt, der von der Westküste an die Ostküste gelaufen ist. Er hat mir gesagt: „Es gibt 4 Dinge, die man im Leben braucht zum Glücklichsein. Man braucht Gesundheit, jemanden, der einen liebt, man braucht eine Aufgabe (etwas zu tun) und man braucht etwas, auf das man sich freut (Träume und Ziele)“ Und irgenwdwo hat er da recht. 

Wertschätzung

Eine ganz wichtige Erkenntnis des Reisens. Ganz viele Dinge, die zu Hause selbstverständlich, lernt man absolut zu schätzen. Einfache Dinge, wie ein zu Hause. Am wichtigsten ist aber die Erkenntnis, dass es nichts Schöneres gibt, als die Familie und wahre Freunde. Ich könnte niemals herumreisen ohne zu wissen, dass zu Hause immer jemand ist, der an mich denkt. Reisepartner und auch manche Freunde kommen und gehen, aber ihr glaubt gar nicht wie schön es ist zu wissen, dass es Leute gibt, die zu Hause auf einen warten und an einen denken. Ich vermisse Euch alle so sehr. Da kullert mir schon fast eine Träne übers Gesicht. Aber es ist so schön zu wissen, dass es Euch gibt, auch wenn ich soweit entfernt bin. Man lernt beim Reisen auch mit der Einsamkeit umzugehen, aber egal was passiert, es gibt immer einen Platz wo man zurückkehren kann und wo man aufgefangen wird. Das ist ein Geschenk des Himmels!

Das Unmögliche möglich machen

Ja, es ist wahr. Man lernt Träume wahr zu machen. Sogar Träume, von denen man nicht mal geträumt hat, weil man dachte, sie können nicht in Erfüllung gehen. Dass ich mal als Barkeeper mitten im australischen Outback enden würde, dass ich mein erstes eigenes Auto in Australien kaufen würde, dass ich meinen Tauchschein machen würde und in die Unterwasserwelt stürze, dass ich aus über 4km aus einem Flugzeug springe, dass ich mit einem Quadbike durch den australischen Busch fahre und dafür Geld bekomme … all das hätte ich mir niemals erträumt und es ist doch wahr geworden. Ja, das schönste am Reisen ist, dass man sich nicht nur einen, nein, man kann sich 1000 Träume erfüllen. Es ist, als ob man in einer Traumwelt lebt. Gefühle und Erlebtes überwältigen einen und man fragt sich ständig, wann man den gekniffen wird, um aufzuwachen. Alles ist möglich und wenn ihr mich fragt, kann man gar nicht früh genug damit anfangen, sich seine Träume zu erfüllen. Jeden Tag wird man aufs neue überrascht und ich LIEBE Überraschungen :) Gespannt, wie ein kleines Kind fiebert man auf Reisen manchmal gewissen Momenten entgegen.

Offenheit und Weitblick

Die wohl Schönste Erfahrung beim Reisen ist, dass man unsere Welt und Leute aus der ganzen Welt kennenlernt. Man glaubt gar nicht, welche Schätze unsere Erde für uns bereithält, bevor man sie nicht selbst gesehen hat. Ich kann es gar nicht in Worte fassen, welch faszinierende Orte ich auf meiner Reise gesehen habe. Man lernt andere Kulturen und Lebensweisen kennen. Mal ganz ehrlich, in Deutschland beschwert man sich über Krankenversicherung, Politik, Gehälter und Arbeitslosigkeit. Dabei haben wir eines der stabilsten Systeme überhaupt und keiner muss sich seiner Existenz fürchten. Das Reisen öffnet einem die Augen in vielen Dingen. Man steht vielen Dingen offener gegenüber und man lernt seine gewohnte Umgebung besser in das Gesamtbild unserer Welt einzuordnen. Man lernt, wie schlecht und gut es manchen Menschen geht und auch wie wichtig es ist, unsere Erde zu schützen. Ich habe soviele interessante Gespräche mit Leuten von allen Kontinenten der Erde gehabt und man lernt immer wieder neue Sachen. Das Outback, der Regenwald in Cairns, die Korallenriffe am Great Barrier Reef und am Ningaloo Reef, die tasmanische Wildnis… alles Wunder unserer Natur. Wenn man mal im Karijini Nationalpark oder im Purnululu Nationalpark war oder an den Stränden entlang der Westküste gelegen hat, erst dann begreift, man welch natürliche Wunder eigentlich auf uns warten.

Ach ich glaube, da könnte ich ein Buch drüber schreiben. Eines sei jedoch noch gesagt. Und hier kommen wir zurück auf die Phrase die seit Anfang meines Blogs direkt unter der Überschrift steht. Es macht keinen Unterschied, ob die Reiseerfahrungen gut oder schlecht sind, sie werden jedoch unvergesslich und immer in Erinnerung bleiben.

Samstag, 16. Februar 2013

555 Tage ... und kein Ende in Sicht

Tag 555. Ja eine Schnapszahl. Und noch viel besser, ich bin immer noch in Australien. Ob ein Ende in Sicht ist? Irgendwie ja und irgendwie nein. Die letzten Wochen ist nicht soviel passiert. Was soll hier auch passieren, mitten im Nirgendwo. Meine Schichten haben mittlerweile auch ein wenig System bekommen.  3 mal in der Woche habe ich die Spätschicht im Shop und 3 mal die Schicht in der Bar. Dave scheint  ganz zufrieden zu sein mit meiner Arbeit. Das Konto füllt sich langsam. Ich habe bereits über 4000$ auf mein Konto überwiesen bekommen und jede Woche komme ich dem Ziel 10000$ etwas näher. Das Personal wechselt hier auch häufiger als ich dachte. So sind Jae, Arthur, Lisa, Lena und Jac mittlerweile gegangen und wir haben Heidi aus Finnland, Christine aus Neuseeland, Emmett aus Irland Jimmy aus England und Mari aus Estland in unseren Reihen aufgenommen. Mal abgesehen von Kevin und Kareen, die hier mehrere Jahre bleiben, bin ich nach Mike und Phil jetzt schön der dritt Dienstälteste hier :D Unfassbar, aber die Zeit vergeht hier echt wie im Flug. Wenn man in der Bar mit den Leuten redet, erfährt man die unglaublichsten Geschichten und es passieren Unfassbare Dinge. Ich hatte einen Rentner, der in über 130 Tagen von der Westküste Australiens den ganzen Weg bis zur Ostküste gelaufen ist. Wahnsinn. Er hat mir ein Bild aus der Tageszeitung gezeigt, als er ein Glas Wasser aus dem Indischen in den Pazifischen Ozean geschüttet hat. Als ein altes englisches Paar mitbekommen hat, dass ich aus Deutschland komme, haben sie mir glaube ich alle nur möglichen Geschichten aus dem Krieg erzählt. Die beste Story ist aber die einer Frau in den Mitt-Vierzigern. Sie kam an die Bar und meinte, dass sie mitbekommen hätte, dass ich mit einem Working Holiday Visa hier sei. Sie fragte dann, was ich denn mache, wenn das Visa ausläuft. Ich sagte ihr, dass ich noch nicht so recht den Plan hätte. Darauf hin gab sie mir eine Visitenkarte und Kontaktdaten. Sie meinte: „Also wenn du nach einem Sponsorship Visa suchst und keine Büroarbeit scheust, dann melde dich doch mal bei Frau X mit deinem Lebenslauf. Die suchen immer bilinguale Leute. Mit denen haben sie auch bessere Erfahrung als mit Australiern. Dafür sind sie gern bereit für ein Sponsorship Visa zu bezahlen.“Ich konnte es kaum fassen. Nach 18 Monaten in Australien macht mir tatsächlich jemand das Angebot länger in Australien zu bleiben. Nicht nur das sie die Arbeitsmoral der Australier etwas negativ dargestellt hat, die Firma müsste 4000$ für dieses Visa bezahlen. Nach dem Ablauf des 2 Jahre gültigen Visas könnte ich theoretisch sogar die „permanent residence“ beantragen. Ich habe mir es natürlich nicht nehmen lassen, mir das mal genauer anzuschauen. Es geht um ein Institut in Perth für Textilien, Mode, Schuhwaren und Lederwaren in Australien. Ich könnte echt eine Karriere in der australischen Modeindustrie starten :D Aber keine Angst, es ist ein Angebot, dass ich nicht annehmen werde. Zum einen ist es nun mal nicht der Bereich in dem ich arbeiten möchte und zum anderen müsste man sich dann 2 Jahre an die Firma binden und das Backpackerleben wäre dann vorbei. Dennoch ist es ein tolles Gefühl zu wissen, ich hätte die Chance gehabt für immer in Australien zu bleiben. Wow. Das hätte ich nie gedacht, dass ich mal in so eine Situation komme.
Auch im Shop erlebt man die verrücktesten Sachen. Leute, die Diesel in einen Benzintank füllen, Leute die einen beschimpfen, dass der Kaffee zu stark ist und das Sandwich nicht in 2 Hälften geschnitten wurde. Manche fragen: „Was ist denn der Unterschied zwischen dem Caravanpark und den Motelzimmer?“ Wie bitte? Ich dachte die Leute verarschen mich. Und dann immer die beliebtesten Fragen: „Was ist denn das günstigste Zimmer? Was sind denn die günstigsten Zigaretten? Was ist denn das günstigste Essen?“ Und dann immer die doofen Gesichter: „Habt ihr nichts günstigeres?“ Sieht dieser Ort etwa so aus als ob er günstig wäre? Also manchmal frage ich mich echt, ob die Leute überhaupt realisieren, dass sie im Outback sind. Man muss aber auch zugeben, dass es echt ziemlich teuer bei uns ist. Eine Flasche Bier (0,33l) kostet mindestens 7$ (5,50€), der Kasten Bier (24x0,33l) bis zu 85$ (65€). Ein Kunde wurde zweimal in seinem Motelzimmer von einen Skorpion gestochen, ein Truckie ist auf dem Parkplatz zusammengebrochen, so dass er vom Royal Flying Doctor ins Krankenhaus geflogen werden musste. Ja das sind so die aufregendsten Geschichten hier. Christine, die neu in der Küche ist, ist auch etwas komisch, im lustigen Sinne. Jimmy hatte den Bestellzettel für einen Hamburger mit Pommes vergessen und in der Küche hängen lassen. Christine, die dann am nächsten Morgen in der Küche war, kommt doch tatsächlich um 6 Uhr morgens in den Shop, als wir gerade erst auf gemacht haben, und sagt: „Hamburger mit Pommes“. Ich habe mich so kaputtgelacht, als die Anderen mir das erzählt haben. Wer bestellt denn morgens bevor wir überhaupt aufmachen einen Hamburger mit Pommes?!?!? :D Dann hatte Phil bei ihr einen „Cheeseburger mit Bacon) bestellt. Was macht Christine, sie serviert ihm das Hamburgerbrot mit einer Scheibe Käse und Bacon, ohne irgendwelchen Salat, Tomaten oder Fleisch. :D Oh mann, Christine ist echt verplant :D Dann waren ja auch die Australian Open wieder im Januar. Die ganzen britischen Leute hier haben natürlich alle auf Andy Murray gesetzt, weil er Schotte ist. Ich musste dann natürlich gegen den Strom schwimmen und habe auf Novak Djokovic im Finale gesetzt. Dave, der Manager, hat mir mir sogar um 5$ gewettet. Erst sah es nicht gut aus, dann habe ich die Wette aber doch noch gewonnen :) Am nächsten Morgen haben ich dann diesen lustigen Brief mit meinen 5$ erhalten :D

Nun möchte ich noch ein wenig über meine Freizeit erzählen. Den ganzen Tag im Internet zu surfen, im Pool zu schwimmen oder auch Filme zu schauen, ist auf Dauer auch nicht so das Wahre. Ich treffe mich also öfter mal mit Mike und/oder Phil zum Golfspielen. Ja wir haben einen Golfkurs mit einem Loch :D 173m und Par 3. Quer durch das australische Outback werden also die Golfbälle gedroschen und dann versucht im Loch auf der am Ende liegenden Grünfläche zu versenken. Aber schaut Euch mal die Bilder an. Mein größter Erfolg waren bis jetzt 4 Schläge, um den Ball ins Loch zu befördern.

 Einen mächtigen Schlag machen ...


 ...  dann mit Nervenstärke den Ball zum Loch befördern ...


... und drinnen ist das Ding. Der neue Tiger Woods :D


Phil beim Kampf den Golfball über das unebene Gelände zu befördern :D


Einen Tag habe ich mich dann auch mal auf eine Wanderung durch den australischen Busch begeben. Ich bin 14km hin und zurück zu den Afghan Rocks gelaufen. Naja zugegeben ich habe schon bessere Orte in Australien gesehen, aber die Rocks waren mal eine kleine Abwechslung zu der endlosen Buschlandschaft um Balladonia herum. Es sind teilweise immer noch so über 40°C, weshalb man es jetzt auch nicht solang draußen aushält.

Zunächst ging es ein wenig den Highway entlang...
 


... mit einem Abstecher zu unserem solarbetriebenen Kommunikationsmast, der uns Kontakt zur Aussenwelt verschafft ...


... dann ging es kilometerweit durch australischen Busch, wo ich mich so einsam wie noch nie zuvor gefühlt habe ...



... bevor ich schließlich endlich am Afghan Rock angekommen bin. Weit und breit kein Zeichen von Leben :D





 
Insgesamt passiert hier allerdings nicht soviel. Es ist schön mal ein wenig Zeit zu haben, um mal darüber nachzudenken, was ich eigentlich schon alles erlebt habe. Und da bekomme ich immer ganz schön Gänsehaut. Ich bin echt ziemlich weit rumgekommen in 555 Tagen. So richtig verarbeiten kann man das irgendwie nicht wirklich. Die Zeit an der Ostküste kommt mir schon wieder Ewigkeiten her vor und fühlt sich an wie ein ganz anderer Reisetrip. Ich freue mich auch, dass meine Abenteuer anscheinend immer mehr Leute inspirieren. Immer mehr Leute schreiben mich an und suchen Rat und sagen mir wie sehr sie meine Abenteuer in sich aufsaugen. Ein Anzeichen dafür, dass ich die letzten 555 Tage den absoluten Traum gelebt habe und echt alles mitgenommen habe, was nur geht. Auf der anderen Seite beschäftigt man sich natürlich auch damit, wie es denn weiter geht. Das macht einen traurig, aber man freut sich auch irgendwie auf die Zeit nach Australien. Wenn ich Balladonia verlasse, habe ich noch ungefähr 1,5 Monate bis ich dann entgültig Australien verlasse. Die Reise durch Australien könnte nicht schöner sein. Deshalb bin ich froh Mitte des Jahres Australien zu verlassen bevor mein Enthusiasmus durch dieses atemberaubende Land zu reisen abflacht. Ich werde auf dem Höhepunkt des Abenteuers das Land verlassen und das ist die goldrichtige Entscheidung. Wann genau dieser Tag kommt weiß ich aber immer noch nicht.

Eine letzte Überraschung habe ich aber noch parat. Ein Kunststück, dass so bestimmt keiner erwartet und was mich selbst überrascht, dass ich darüber nachdenke. Ich möchte es jetzt aber noch nicht verraten und solang damit warten bis ich das Ganze wirklich umgesetzt habe, denn es wird sehr hart das ganze zu realisieren und ich weiß bis jetzt auch nicht, ob ich es überhaupt realisieren kann. Es wird aber definitiv der letzte große Paukenschlag dieses einmaligen Abenteuers sein und eines kann ich schon mal versprechen. Es wird die absolute Krönung einer 2-jährigen Reise werden.

555 Tage ... und immer noch nicht genug!