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Freitag, 18. Mai 2012

Obdachlos und trotzdem glücklich

Wow. Mit dem Auto durch die Gegend zu düsen ist einfach genial. Mittlerweile fahre ich durch und um Darwin im Linksverkehr als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Ob ich mich jemals wieder an den Rechtsverkehr in Deutschland gewöhnen werde? :D So ein Auto ist schon eine tolle Erfindung. Bei offenem Fenster, mit erfrischendem Fahrtwind, bei 30°C, Sonnenschein und der Musik meines MP3-Players durch und um Darwin herum zu fahren, ist einfach traumhaft. Das Allerbeste im Moment ist, dass ich nicht mehr den Bus zur Arbeiten nehmen muss. Ich kann jetzt fast eine ganze Stunde länger schlafen, setzte mich gemütlich ins Auto und bin in 20 Minuten auf Arbeit. Kein warten mehr auf den Bus nach der Arbeit. Murray hat dumm aus der Wäsche geschaut, als ich eines Morgens mit dem Auto vor seinem Shed stand. „Wo hat der kleine, arme Backpacker denn auf einmal dieses Auto her?“ muss er sich gedacht haben. Leider habe ich keine Möglichkeit, mal die volle Power des Autos zu testen, denn in ganz Australien gilt ein striktes Tempolimit. Auch auf den Highways, die einfach geradeaus und mitten durchs Nirgendwo führen. Das reguläre Tempolimit ist 110 km/h auf den australischen Highways. Nur im Northern Territory ist es erlaubt auf einigen Teilstrecken der Highways 130 km/h zu fahren.
Letztes Wochenende hatte ich dann auch eine Art Jungfernfahrt mit dem Auto. Zusammen mit Alex und Maureen aus dem Hostel sind wir zum Dragonfly Dawn Festival 70km südlich von Darwin gefahren. Das Festival war der Hammer. Mitten im Busch. Bis es hell wurde am nächsten Morgen haben wir getanzt und gefeiert. Ich habe mich wie auf dem Wonderland Festival 2009 gefühlt, nur dass es dieses Mal im australischen Busch war. Am nächsten Nachmittag ging es dann zurück nach Darwin. Das Auto hat einen guten Job gemacht. 

Jetzt möchte ich Euch aber erklären, wie es zu dem Posttitel kommt. Murray hatte angekündigt, dass wir eventuell nochmal für ein paar Tage außerhalb von Darwin arbeiten werden. Dadurch hatte ich natürlich das Problem, dass ich die Wochenrate im Hostel nicht buchen konnte, da ich wahrscheinlich nicht die volle Woche im Hostel sein werde. Eine großartige Gelegenheit, um zu testen, wie es sich im Auto schläft. Das allgemeine Problem hier in Australien ist nur, dass es illegal ist in der Öffentlichkeit zu campen, was auch das Schlafen im Auto beinhaltet. Wird man von der Polizei erwischt, kann das 200$ kosten. Und ich habe gehört, dass die Polizei hier in Darwin da ziemlich unnachsichtig ist. Dadurch war es für mich unmöglich in der City zu übernachten. Ich habe dann zufällig ein deutsches Pärchen getroffen, die mir einen Supertipp gegeben haben. Die Fishermen Wharf, eine Werft im Hafen von Darwin. Der Clue ist, dass die Werft ein Privatgrundstück ist und somit die Polizei hier „keine Entscheidungsmacht“ hat. Die Eigentümer der Werft erlauben es den Backpackern kostenlos auf dem ziemlich großen Pier zu parken und zu übernachten, solang sie nicht die ankommenden Fischerboote blockieren. Das nenn ich mal ein Herz für Backpacker. Dort angekommen war ich ziemlich überrascht. Die ganze rechte Seite des Piers war voll mit Campervans und Station Wagons von Backpackern, die kostenlos in ihren Autos übernachten wollten. Ich habe mir tagsüber noch neue Kissen und Bettwäsche im Casuarina Shopping Center gekauft, um einen anständigen Schlaf im Auto zu haben. Nachdem ich einen Stellplatz ergattern konnte, habe ich mein Bett hergerichtet. Und das geht so: Die Rücksitze werden umgeklappt, das gesamte Gepäck kommt auf die Frontsitze, die Matratze wird ausgeklappt, die Fenster werden ein Stück heruntergefahren, um ein wenig Frischluft und Zirkulation zu bekommen und letztendlich werden noch die Vorhänge vor den Fenstern zugezogen. Fertig ist das Autobett.
Nun liege ich gerade in diesem Bett. Die zweite Nacht im Auto steht bevor. Die letzte Nacht war super. Das Bett ist echt gemütlich und ich schlafe wie ein König. Das ist echtes Backpacking. Ich habe kein „zu Hause“ im Moment und alles was ich benötige, habe ich in meinem Auto. Ich übe mich gerade im Minimalismus. Jeden Tag fahre ich trotzdem nach der Arbeit zum Hostel, denn ein wenig „Socialising“ muss ja auch sein. Außerdem missbrauche ich auch die Duschen, Toiletten und Waschmaschinen im Hostel :) Vor nicht mal einem Jahr lag ich noch in meinem Bett in meiner Wohnung in Hannover und jetzt … liege ich in einem provisorischen Bett in einem Auto im Hafen von Darwin. Ist das nicht verrückt?





Ich muss aber gestehen, dass ich heute etwas traurig bin und jetzt gern in Deutschland wäre. Mein Papa feiert heute seinen 60.Geburtstag und ich bin ganz traurig, dass ich nicht zu Hause sein kann und mit Euch feiern kann. Happy Birthday. Ich vermisse Euch ganz doll. Ich hoffe du hattest einen wunderschönen Geburtstag. Überhaupt muss ich öfters mal erwähnen, dass ich Euch alle enorm vermisse. Nicht dass ihr noch denkt, ich bleibe hier ;) Ich erzähle Euch immer überragende Geschichten aus Australien, aber ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich auf den Moment freue, aus dem Flieger zu steigen, deutschen Boden zu betreten und vor allem Euch Alle wiederzusehen. Am liebsten morgen. Aber wir müssen uns noch ein wenig gedulden. „Not yet“ wie man im Englischen so schön sagt. Ich wünsche mir nach wie vor, zurück zu kommen und von Euch empfangen zu werden, als ob ich nie weggewesen wäre.

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