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Montag, 6. Mai 2013

Das Beste kommt zum Schluss

Besser könnte der Titel dieses Eintrages nicht lauten. Nach 20 Monaten in Australien und nur etwas über 3 Monaten übrig auf meinem Visum, nähert sich die Reise durch Australien so langsam aber sicher dem Ende. Man denkt, ich habe alles gesehen und gemacht, was nur möglich war. Falsch, denn das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. Es hat mir mal wieder die Sprache komplett verschlagen und ich kann echt nicht glauben, wieviel Glück ich hier eigentlich manchmal habe. Ich muss einfach ein goldenes Händchen haben. Das Folgende setzt einfach den krönenden Abschluss hier in Australien. Anders kann man das nicht sagen.

Wie schon im letzten Eintrag erwähnt, passierte auf dem Weg zurück nach Pemberton etwas Einmaliges. Das Telefon klingelte. Am anderen Ende war Mike. Was daran so besonder ist und wer Mike ist, fragt ihr Euch? Ich fange mal von vorne an. Falls ihr Euch noch erinnert, Mike war der Duty Manager (Schichtleiter) im Balladonia Roadhouse. Er hat Balladonia Mitte März verlassen, um nach Karratha zu gehen, um dort zu arbeiten. Als wir dann gefeuert wurden, hatte Mike am nächsten Tag gleich bei Facebook geschrieben, wir sollten zu ihm nach Karratha kommen. Ich hielt das zunächst für einen Scherz. Als er dann Mari-Liis Details über den Job erzählt hatte, schimmerte mir, dass er das echt Ernst meint. Karratha war von Balladonia um die 2500km entfernt. Karratha liegt an der Küste im Norden zwischen Broome und Exmouth. Ich bin ja im November erst die Westküste heruntergefahren und wollte nicht den ganzen Weg jetzt nochmal nach oben fahren. Ich hatte diese Idee also verworfen. Das hatte ich dann auch Mike am Telefon gesagt. Nachdem wir dann aber einige Tage auf dem Roadtrip waren und in Albany angekommen sind, hatte ich realisiert, dass es hier in der Region schwerer wird als gedacht, schnellstmöglich an einen Job heran zu kommen. Ich hatte nur noch weniger als 4 Monate auf den Visum und ich wollte auch nicht meine ganzen Gedanken an die Jobsuche verschwenden, sondern meinen letzten Roadtrip durch Australien genießen. Dennoch musste Arbeit her. Nach einem frustrierenden Tag in Albany, habe ich mir also noch mal die Idee von Mike und Karratha durch den Kopf gehen lassen. Eigentlich war ich von der Idee nicht wirklich begeistert. Allerdings war es im Moment die einzigste Option, um in naher Zukunft einen Job sicher zu haben. Was solls. Machen wir also noch den Roadtrip nach Margaret River und fahren dann nochmal die ganze Westküste hoch nach Karratha. Ich habe also Mike von Albany aus angerufen und gefragt, ob das Jobangebot noch stehe. Er meinte, ich solle meinen Lebenslauf zu ihm schicken und er legt dann ein gutes Wort für uns beim Manager ein. Gesagt getan.
Wie schon erwähnt, 3 Tage später, als wir gerade in Pemberton waren, rief uns Mike an. Ich konnte es nicht glauben. Er hatte doch tatsächlich gerade gesagt: "I've got a job for you" (Ich habe einen Job für Euch). Wahnsinn. Ich war absolut aus dem Häuschen. Er wollte, dass wir so schnell wie möglich nach Karratha kommen. Wir haben dann vereinbart, dass wir noch einen weiteren Tag bekommen, um Margaret River zu besuchen, um unseren Roadtrip abzuschließen und dann direkt 2000km nach Karratha fahren, in 3 Tagen. Da zerbricht man sich den Kopf tagelang, wie man an einen weiteren Job herankommt unnd im Endeffekt benötigt es mal wieder nur die Hilfe eines guten Freundes. Beziehungen hier in Australien sind einfach alles. Ich hatte einen neuen Job und Alles läuft wieder nach Plan :)

Das ist aber noch nicht die Geschichte, was diesen Eintrag den Titel "Das Beste kommt zum Schluss" verleiht. Jetzt wollt ihr natürlich wissen, was denn mein neuer Job ist. 2 Fakten machten diesen Moment als Mike anrief zu etwas ganz Besonderem. 
Erstens, mein neuer Arbeitsplatz ist das Karratha International Hotel, ein 4,5 Sterne Hotel mit ganz vielen Auszeichnungen. Mein neuer Job ist Barkeeper! Ihr glaubt ich verarsche Euch? Nein, im Ernst, ich werde Barkeeper in einem 4,5 Sterne Hotel. Ist das nicht das Ultimative der Superlative? Das ist einfach nur Wahnsinn, was hier in Australien alles möglich ist. Da kommt man als völliger Grünschnabel nach Australien, versucht sich sein Brot mit Früchtepflücken zu verdienen und landet letztendlich am Ende seiner Reise in einem renommierten Hotel als Barkeeper. Was für eine Karriere? Vom Fruitpicken zum Container ausladen, zum Bootsbauer, zum Weed Sprayer, zum Kellner auf einem Pferderennen, zum Kassierer im Supermarkt, zum Festzeltaufbauer, zum Allrounder in einem Roadhouse und schließlich zum Barkeeper in einem 4,5 Sterne Hotel. Unglaublich aber war. Quasi vom Tellerwäscher zum Millionär. In nichtmal 2 Jahren. Und schließlich muss man ja auch immer wieder mal erwähnen, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist. Das ich einmal so einen Job in Australien bekomme, hätte ich mir vorher nie erträumt. Da habe ich echt nochmal einen oben drauf gesetzt.
Was die ganze Sache aber noch skurriler macht, ist der folgende Fakt. Das Karratha International Hotel gehört der gleichen Firma, wie das Balladonia Roadhouse. Genau, das Roadhouse, in dem ich vor nicht mal 3 Wochen gefeuert wurden bin :D Auf dem Papier arbeite ich dann natürlich für eine andere Firma aber intern ist das ein und die selbe Firma. Ich habe das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Das ändert natürlich die ganze Geschichte, die in Balladonia passiert ist. Urplötzlich bin ich auf einmal der lachende Sieger. Zu gern würde ich Daves Gesicht sehen, wenn er hört, dass wir jetzt in Karratha arbeiten werden, zu mal er sich selbst auf den Managerposten dort beworben hatte, ihn aber nicht bekommen hat :D Da kann ich ja Dave fast schon dankbar sein, dass er uns die Tür (indem er uns gefeuert hat) für diesen "internen Wechsel" geöffnet hat. All der Kummer über Balladonia ist vergessen. Nun lache ich über Dave und Kevin, nicht anders herum. Wer zu letzt lacht, lacht am Besten, meine australischen Freunde, haha. Zu dem signalisiert mir Mike mit seinem Jobangebot gleichzeitig auch, dass er meine Arbeit in Balladonia sehr geschätzt hat, was mir den Abschied vom Roadhouse selbst nun doch etwas versöhnlicher gestaltet :)

Ich kann gar nicht beschreiben, wie dankbar ich Mike bin. Nicht nur das dadurch ein weiterer Traum in Erfüllung geht, nein, auch bin ich jetzt wieder im Plan, denn in Karratha kann ich dann hoffentlich auch noch genug Geld verdienen, um Südostasien zu realisieren. Alles passte mal wieder perfekt zusammen. ich muss echt sagen, Mike hat mir dieses Mal echt den Arsch gerettet. Natürlich muss ich jetzt auch ein wenig umplanen. Ich kann nicht mehr wie geplant 3 Wochen in Perth verbringen. Das Auto muss ich also in Karratha irgendwie loswerden und auch die ganzen anderen organisatorischen Dinge werde ich dann wohl von Karratha aus machen müssen. Aber egal... Ich habe einen Job. Das ist das Wichtigste.

Jetzt freue ich mich erstmal noch völlig frei im Kopf Margaret River zu erkunden und dann gehts auf nach Karratha...


PS: Hier ist noch der Link zur Website des Hotel, um Euch mal einen ersten Eindruck zu verschaffen
Karratha International Hotel 

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