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Freitag, 2. August 2013

722 Tage - Goodbye Australia



722 Tage

30000 km

$ 54500 verdient

$ 40000 ausgegeben

13 Jobs

Unbeschreiblich. Traumhaft. Sprachlos. Wahnsinn. Irreal. Fantastisch. Verrückt. Wolke 7. Sensationell. Unglaublich. Unvergesslich. Der letzte Blogeintrag aus Australien und mit welch anderen Worten könnte man beschreiben, was hier die letzten 2 Jahre passiert ist. Mir Fehlen schlichtweg die Worte, um diese 2 Jahre hier niederzuschreiben und widerzugeben. Aber wie könnte man den letzten Blogeintrag aus Australien besser starten als mit einer Statistik.
722 Tage. Das sind fast genau 2 Jahre. Was für eine lange Zeit und ich habe mich tatsächlich hier über Wasser halten können. 722 Tage und jeder einzelne davon war einzigartig und unvergesslich schön. 30000km bin ich durch den vielfältigsten aller Kontinente gereist und dabei Regenwälder, Wüsten, Outback, Metropolen, Wälder, Steppen, Tropen,  Inseln und Korallenriffe besucht. Teilweise ging es absolut abgelegene Gebiete und man war isoliert fernab jeglicher Zivilisation. Mit den ganzen Routen fernab meiner Hauptrouten bin ich wahrscheinlich bis zu 60000km in Australien gereist.
$54500 habe ich in meinen 13 Jobs verdient. Das sind fast 45000 EUR. Unglaublich das man als unqualifizierter Backpacker hier so viel Geld machen kann. Jeder einzelne Job hat mir aber auch soviele Eindrücke und Erfahrungen vermittelt und ich habe so viele Dinge gelernt, dass der Verdienst fast schon nebensächlich wird.
$ 40000 habe ich in 2 Jahren ausgegeben.  Das sind fast 35000 EUR. Ich kann zurecht behaupten, dass Australien das teuerste Land auf Erden ist. Dennoch weine ich keinen einzigem Cent hinterher, denn jeder Cent war es wert in Australien zu bleiben. Eine der besten Investitionen meines Lebens.
Es fällt mir natürlich schwer alle Eindrücke wirklich produktiv zu verarbeiten und wenn man mich nach meinen Highlights und Favoriten fragt, sollte ich wohl eher antworten: Jeder Ort, jeder Moment ist einzigartig. Dennoch möchte ich versuchen Euch meine persönlichen TOP 5 zu präsentieren. Aber wie gesagt, absolut überhaupt nicht objektiv, sondern eine (emotional) persönliche Einschätzung.

Orte, an denen ich mich am wohlsten gefühlt habe: 
  1. Karratha (WA)
  2. Broome (WA)
  3. Melbourne (VIC)
  4. Bundaberg (QLD) 
  5. Maroochydore (QLD)
Die schönsten/aufregendsten Städte

1.       Melbourne (VIC) 
2.       Broome (WA) 
3.       Coober Pedy (SA) 
4.       Sydney (NSW) 
5.       Kununurra (WA)

Die besten Hostels
  
1.       Last Resort Backpackers, Broome (WA)
2.       Flinders Station Backpackers, Melbourne (VIC) 
3.       One World Backpackers, Perth (WA) 
4.       Dolphins Beach House, Noosa (QLD) 
5.       Chillis Backpackers, Darwin (NT)

Die atemberaubendsten Orte
  
1.       Cradle Mountain (TAS) 
2.       Hancock und Dales Gorge, Karijini NP (WA) 
3.       Jim Jim Falls, Kakadu NP (NT) 
4.       Bungle Bungles, Purnululu NP (WA) 
5.       Loch Ard Gorge, Great Ocean Road (VIC)

Die schönsten Nationalparks
  
1.       Karijini NP (WA) 
2.       Lake St. Claire & Cradle Mountain NP (TAS) 
3.       Purnululu NP (WA) 
4.       Kakadu NP (NT) 
5.       Kalbarri NP (WA)

Die schönsten Regionen
  
1.       Kimberleys (WA)
2.       Tasmanien (TAS) 
3.       Pilbara (WA) 
4.       Daintree / Atherton Tablelands, Cairns (QLD) 
5.       South-West-Australia (Esperance – Margaret River) (WA)

Der beste Nervenkitzel
  
1.       Skydive, Mission Beach (QLD) 
2.       Dave Evans Bicentennial Tree (75m), Pemberton (WA) 
3.       Rafting Tour, Tully Gorge (QLD) 
4.       5 Tage Tauchkurs, Great Barrier Reef, Cairns (QLD) 
5.       Scooteroo Tour, Agnes Water (QLD)

Die schönsten Strände
  
1.       Lucky Bay, Cape Le Grand NP (WA)
2.       Turquoise Bay, Exmouth (WA) 
3.       Whitehaven Beach, Whitsunday Islands (QLD) 
4.       Coral Bay (WA) 
5.       Twilight Beach, Esperance (WA)


Unangenehmste Backpacker
  
1.       Franzosen (mit Abstand!!!) 
2.       Iren 
3.       Dänen 
4.       Italiener 
5.       Schotten

Angenehmste Backpacker
  
1.       Kanadier 
2.       Schweden 
3.       Australier 
4.       Deutsche 
5.       Engländer

Die schönsten/erfahrungsreichsten Jobs
  
1.       Weedsprayer in Darwin 
2.       Barkeeper im Karratha International Hotel 
3.       Allrounder im Balladonia Roadhouse 
4.       Bootsbauer für die Cahaya Utara in Darwin
5.       Fruitpicking in Bundaberg

Die lukrativsten Jobs
  
1.       Barkeeper im Karratha International Hotel 
2.       Cargocontainer mit Bier ausladen in Darwin 
3.       Weedsprayer in Darwin 
4.       Allrounder im Balladonia Roadhouse 
5.       Kassierer im IGA Supermarkt in Broome

Längster Aufenthalt
  
1.       Darwin (NT) – 5 Monate 
2.       Balladonia (WA) - 3 Monate 1 Woche 
3.       Karratha (WA) – 2 Monate 3 Wochen 
4.       Broome (WA) – 2 Monate 
5.       Melbourne (VIC) – 1 Monat 3 Wochen


Mir läuft es eiskalt den Rücken hinunter und heute ist einer der emotionalsten Tage in Australien. Gestern saß ich im Hostel in Melbourne und beobachtete all die „neuen“ Backpacker in Australien. Sie verzweifeln an der Jobsuche, brauchen mehr Geld, essen Reis oder Nudeln mit Fertigsauce, planen ihr nächstes Abenteuer und wünschen sich eines Tages sich mit den Muttersprachlern unterhalten zu können. Ja, auch ich habe dort angefangen. In diesem Moment realisierte ich wieder einmal, wie weit ich es in Australien eingentlich gebracht habe. Ein wenig überfordert, ein wenig verloren, mit einer kleinen Sprachbarriere. Ja, so bin ich in Brisbane am 11.August 2011 angekommen. Alles war neu und ich vermisste mein zu Hause. Aber irgendwann kommt der Knackpunkt, wo es einfach anfängt zu laufen und man sich treiben lässt. Ich glaube dieser Knackpunkt kam bei mir als ich das erste Mal nach Melbourne kam. Irgendwann realisiert man dann auch, dass die Erfahrungen auf Arbeit und die zwischenmenschlichen Beziehungen – so schlecht sie auch sein mögen -  ein essentieller Bestandteil dieses Abenteuers sind und nicht allein das Touristendasein. Die Mischung machts. Nachdem ich die Jobs als Weedsprayer, als Bootsbauer für Jürgen und als Containerauslader in Darwin bekommen hatte, wurde mir erstmal klar, dass einem hier alle Türen offen stehen und ich setzte zu neuen Höhenflügen an. Mit dem Kauf von Brendan bekam das gesamte Abenteuer dann noch mal einen extra Hauch von Globetrotteratmossphäre. Unfassbar, dass ich dann in Broome sogar anfing, Leute an der Kasse auf Englisch zu bedienen. Wer hätte das gedacht. 2 Jahre zuvor hatte ich kaum Englisch gesprochen. Das ich dann letzendlich über Balladonia in Karratha in einem 4 Sterne Hotel als Barkeeper geendet bin, kann ich bis heute nicht realisieren. Muttersprachler, wie Tahla, haben mich letzendlich behandelt als wäre ich ein Ansässiger, der dort geboren wurde. Manchmal dachte ich, dass mein englischer Wortschatz sogar mehr Wörter besitzt als ihr Eigener :D Ne im Ernst, die Sprachbarriere ist vollständig verschwunden und das macht mich unglaublich stolz. Ich muss gestehen, Australien fühlt sich wie ein zu Hause für mich an. Und genau das macht den Abschied jetzt auch so emotional.
Ich habe die richtige Mischung gefunden. Ich glaube, dass macht mein persönlcihes Abenteuer zu etwas ganz Besonderen. Meine Balance zwischen Reisen und Arbeiten war perfekt. Und was dieses Land zu bieten hat, ist schier unglaublich. Ich erinnere mich als ich im Swag am Uluru lag und die Sterne beobachtete. Als ich auf dem Quadbike über die Tipperary Station gefahren bin, begleitet von 10 Wallabies und die die Sonne am Horizont untergin. Als ich 3 Monate lang in Darwin im Auto geschlafen habe. Als ich in die Unterwasserwelt am Great Barrier Reef und Ningaloo Reef eingetaucht bin. Als ich auf Magnetic Island meinen ersten wilden Koala zu Gesicht bekam. Als beim Fruitpicking in Bundaberg plötzlich eine lebendige Schlange vor mir auftauchte. Als wir ins kühle Nass nach einer ziemlich harten 10km Fahrt zu den Jim Jim Falls gesprungen sind. Das sind nur einige Beispiele. Auch emotional war ich manchmal einfach nur überwältigt. Ich erinnere mich da an dem Moment als ich die Mail mit meinen zweiten Visa bekam. Als ich in Balladonia herausgeschmissen wurde. Als ich in Broome nach 3 Monaten endlich meine Steuerrückzahlung bekam. Als ich an einem Sonntag 11 Stunden lang Cherry-Tomaten in Bundaberg für nur 70$ gepflückt habe. Als mein Rücken beim Container ausladen so geschmerzt hatte und ich es doch für jeweils 2 Monate in Melbourne und Darwin durchgezogen habe. Als ich mich in Karratha von Allen und von Brendan verabschieden wollte. Wieder einige Beispiele. Aber diese Emotionen machen das Abenteuer zu dem, was es ist.
Letztendlich muss ich einfach auch noch ein paar Worte über die Leute hier verlieren. Australien hin oder her. Was mir wirklich im Herz hängen bleibt, sind die Leute, die ich in meinen 2 Jahren hier getroffen habe. Auch wenn ich es ihnen nie wirklich gesagt habe, aber einige Leute werde ich soooooooooo vermissen. Jeder hat seine eigene interessante Geschichte zu erzählen. Manche Leute haben mich dermaßen inspiriert und mir sehr geholfen an Tagen, wenn es mir mal schlecht ging. Diese Leute sind wahrscheinlich die Einzigsten, die überhaupt verstehen können, was ich hier erlebt habe. Da ist zum Beispiel Phillip, Katja und Lena, die mich in meinen ersten Wochen in Australien direkt oder indirekt begleitet haben und mir ein wenig Halt gegeben haben. Da ist Pascal, einer der wenigen, mit dem ich immer noch Kontakt habe. Er hat mir den Job in Melbourne besorgt und wollte mir immer ein wenig unter die Arme greifen, wenn ich es brauchte. Wahnsinns Typ mit dem ich absolut auf einer Wellenlänge bin. Dann ist da Micaela aus Schweden, die nicht nur unseren Roadtrip auf Tasmanien zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht hat, sondern mich auch dermaßen inspiriert hat, dass ich nach Tasmanien noch überlegt hatte, ein zweites Jahr in Australien zu bleiben. Da ist Lukas und Verena, die mich ein Stück an der Ostküste mitgenommen haben. Wir hatten irgendwie den gleichen Humor und das Reisen mit beiden war so angenehm. Da ist James aus Wales, den ich in Darwin getroffen habe und dann spontan immer mal wieder in Broome und auch in Perth wiedergesehen habe. Super Typ zum Spaß haben und Bierchen trinken. Da ist Erin aus Kanada und Tahla aus Australien, die beide eine der faszinierendsten Persönlichkeiten haben, die ich je getroffen habe. Egal, ob ich mit Ihnen gestritten habe, hinterher haben wir immer zusammen gelacht. Der Abschied von Erin in Broome und Tahla in Karratha war einer der härtesten überhaupt. Mari-Liis aus Estland war auf Reisen wie eine Mutter für mich. Nicht nur, dass sie für mich gekocht hat und mein Geldgeber war für ein paar Tage, nein ich habe selten so eine gute Seele gesehen. Dann ist da auch noch Mike aus England. Über Mike habe ich mich ja im Blog schon mehrfach ausgelassen. Er ist einfach einer der besten Menschen, die ich bis jetzt getroffen habe und ich könnte mir keine bessere Person vorstellen, die mich jetzt auf die Cook Islands begleiten wird. Da sind natürlich noch viele andere Leute, die es verdient hätten, hier erwähnt zu werden, aber diese Leute wissen glaube ich auch so, was ich an ihnen schätze. Vielen vielen Dank für Alles!!! Ich werde keinen von Euch je vergessen.

Da bin ich also jetzt. Am Ende eines Abenteuers. Australien. Ich habe alles erreicht, was ich wollte. Ich habe alles gesehen, was ich wollte. Ich habe alle Herausforderungen angenommen und bewältigt, die mir gestellt wurden. Wie sagt man so schön: Living the dream (Lebe deinen Traum). So schwer mir auch der Abschied fallen mag, ein Ende etwas Wunderbaren ist auch immer gleich der Anfang etwas neuen Unbekannten. Sophie sagte zu mir in Adelaide: „Du bist sogar ein Jahr länger geblieben als geplant. Kein Grund traurig zu sein.“ Und sie hat absolut recht. Ich habe mehr von Australien mitgenommen, was ich eigentlich ursprünglich mitnehmen wollte. Australien und die letzten 2 Jahre hier werden für immer ein Platz in meinem  Herzen bekommen. Aber nun es ist Zeit nach vorne zu schauen. Neue Abenteuer warten bereits. Ich werde nicht „Auf Wiedersehen“ sagen. Stattdessen

Danke für die unvergesslichen Momente


BIS BALD

722 Tage ... Eine Reise geht zu Ende



PS: Der nächste Eintrag kommt von Rarotonga auf den Cook Islands. Also immer mal wieder hineinschauen.
Vielen Dank für die bereits über 50000 Klicks auf den Blog. 

Kommentare:

  1. man bekommt leichte gänsehaut beim lesen dieses beitrags. wow!

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  2. toller Blog, absolut inspirierend, wunderbar geschrieben! :)

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