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Sonntag, 24. Juni 2012

Kunterbuntes aus Australien I


Was ist das denn jetzt schon wieder für eine Überschrift? Ich versuche es mal zu erklären. Die letzten 2 Wochen ist einiges passiert. Allerdings in verschiedenen Bereichen. Es sind Geschichten aus dem australischen Alltag. Kunterbuntes eben.

1. Geschichte: Vom Sklaven zum Millionär

Nachdem wir mit Jürgen den atemberaubenden Segeltrip beendet haben ging es letzte Woche Dienstag wieder auf Arbeit ins Bierlagerhaus. Eigentlich hatte ich schon keine Lust mehr darauf und hatte schon in Betracht gezogen, einfach zu kündigen. Harte Arbeit, mieses Geld. Warum soll ich mir das denn noch antun? Es sollte jedoch alles anders kommen. Ben, der letzte Woche einfach nach Hause gegangen ist, ist erwartungsgemäß am Dienstag nicht wieder gekommen. Ich bekam also einen neuen Kollegen. Brent aus Kanada. Und wir harmonieren super zusammen im Container. Brent hat einfach nicht so die Arschruhe weg, wie Ben die Woche zuvor. Am Dienstag haben wir dann auch gleich 3 Container ausgeladen, anstatt der üblichen 2 Container von letzter Woche. Wie ihr wisst, werde ich pro Container bezahlt. Und wir waren so schnell, dass wir am Dienstag auch gleich die 30$ pro Stunde geknackt haben. Das funzt. Die nächsten Tage haben wir uns sogar noch kontinuierlich steigern können. Am Ende der Woche haben wir sogar schon 4 Container ausgeladen und wir sind bei einem Wahnsinnsstundenlohn von 43$ angekommen (~35€). Wow. Der Job scheint sich zu einer echten Goldgrube zu entwickeln. 278$ in nur 6,5 Stunden. Da lohnt sich wenigstens die harte Arbeit.

2. Geschichte: Traditionsfussball

Aber zu einer anderen Geschichte. Ich habe es bis jetzt noch nicht erwähnt im Blog, aber wir haben seit 3 Monaten eine Tradition im Hostel von der ich jetzt Mal berichten muss. Jeden Dienstag und Donnerstag um 17:30 ist Fussball angesagt. Wir treffen uns mit Leuten auch aus anderen Hostels und kicken gemeinsam an der Esplanade Darwins. Bis es dunkel wird. Es macht super viel Spaß und ist ein gelungener Ausgleich zur harten Arbeit jeden Tag.

3. Geschichte: Der wahre Fan

Wie sehr ich an Deutschland hänge zeigt sich in der nächsten Geschichte. Also, wenn ich ja eines an dieser Zeitverschiebung hasse, dann, dass man keine sportlichen Events in Europa zu einer vernünftigen Zeit schauen kann. Wie ihr wisst ist gerade die Fussball-Europameisterschaft. Was macht also der deutsche Fan in Australien? Genau, er steht 3:30 Uhr am Morgen auf, geht in eine Sportsbar, um Deutschland um 4:15 Uhr live spielen zu sehen und geht anschließend direkt auf Arbeit. So geschehen letzte Woche Mittwoch Deutschland gegen Niederlande und diese Woche Montag Deutschland gegen Dänemark. Ich bin immer in die Sportsbar „Globies“ gefahren. Globies ist die einzigste Bar in Darwin, die alle Spiele live überträgt und zu dieser Zeit auch noch geöffnet hat. Ach herrlich war’s. Mal wieder Deutsche Fangesänge zu hören und betrübte holländische Gesichter zu sehen.

4. Geschichte: Katz-und-Maus-Spiel

Nächste Geschichte. Wie ihr wisst, schlafe ich ja immer auf dem Steg der Fishermen Wharf. Am Mittwochabend letzte Woche sollte es damit jedoch vorbei sein. Ich habe gerade mein Abendessen auf meinem mobilen Gasherd aufgewärmt, als ein weißes Auto auf den Steg kam. Als dann ein Mann ausstieg und sich mir näherte, wusste ich auch gleich, was der gute Herr wollte. Er war ein Sicherheitsmann vom Council (sowas wie der Stadtrat). Dann hat er mir auch gleich einen Vortrag gehalten, dass es illegal ist hier zu campen bzw. zu schlafen. Die Information, dass es Privatgelände ist, war anscheinend falsch. Der Steg gehört dem Council. Jedenfalls meinte er, wenn er mich hier nochmal sieht, holt er die Polizei. Ich habe im nur entgegnet, dass ich noch ein paar andere Plätze zum übernachten wüsste. Hat ihn wohl wenig wütend gemacht. Bin dann mal schnell weggefahren. Jedenfalls war es das mit meinem Schlafplatz dort. Ich habe dann die nächsten 2 Nächte auf einem nahegelegenen Parkplatz verbracht, den Leute nutzen um ihre Boote ins Wasser zu bringen. Naja jedenfalls hatte ich dann letzte Woche Freitags kurz vor 6 Uhr gerade Frühstück im Auto als ein Polizeiauto auf den Parkplatz kam. Ich konnte es nicht fassen. Was haben die hier in Darwin eigentlich gegen Backpacker? Ich hatte dieses Mal allerdings richtig Glück. Die Polizistin meinte, dass ich den Parkplatz jetzt noch verlassen könnte, da ich nicht im Auto schlafe, sondern wach bin. Und einen weiteren Vortrag, dass es illegal ist hier zu übernachten gab’s natürlich auch. Von allen anderen Autos haben sie die Registrierungen aufgeschrieben und wahrscheinlich dürfen die dann 200$ Strafe zahlen. Seitdem schlafe ich jetzt immer in der Woche im Hidden Valley. Dort gibt es eine Rennstrecke und einen riesengroßen Schotterparkplatz davor. Ist etwas außerhalb der Stadt, aber dafür etwas abgelegen und absolut dunkel in der Nacht. Von der Strasse sieht man mich nicht. Wie ich diesen Platz gefunden habe? Während meiner Zeit als Weed Sprayer haben wir an den ungewöhnlichsten und abgelegensten Feldwegen Unkraut gesprüht. Und rund um diesen Parkplatz hatten wir einmal gesprüht, so dass er irgendwie noch war in meinem Kopf war.

5.Geschichte: Der hat wohl eine Schraube locker?

Kommen wir zur nächsten Geschichte. Letzte Woche Freitag haben wir wie gesagt unglaublich viel Geld auf Arbeit verdient. Freitagabend waren wir dann zu Jürgen nach Hause zum Barbecue und Dinner eingeladen. Ich habe Rory und Bea versprochen, dass ich fahre. Auf dem Weg zurück von der Arbeit ist mir dann mal wieder was ziemlich Unglückliches passiert. Auf der Strasse vor dem Hostel muss irgendein Idiot eine Schraube liegen gelassen haben. Ja, eine Schraube. Und wer ist der Glückliche, der diese Schraube mitnimmt? Mein Reifen natürlich. Ich habe es erst gar nicht gemerkt. Ein Hostelmitarbeiter hat mir dann gesagt, dass ich einen Platten habe. Als ich dann diese Schraube im Reifen gesehen habe, musste ich erstmal jämmerlich fluchen. Als ich mich dann beruhigt habe, habe ich mich an die Problemlösung gemacht. Ich hatte ja zum Glück noch einen Ersatzreifen im Auto. Problem gelöst? Nein. Ich habe zwar auch einen Wagenheber, denn ich dann auch gleich mal getestet habe, jedoch fehlte mir das passende Werkzeug, um die Schrauben am Reifen für den Radwechsel zu lösen. Dann ging das Gefrage los, wer denn einen passenden Schraubenschlüssel hat. Ich wusste nicht mal, wie man dieses Ding auf Englisch eigentlich nennt :D Da hat man sich mal wieder mit Händen und Füßen geholfen. Ich stand auf dem Hostelparkplatz. Die anderen Autofahrer haben natürlich mitbekommen, dass sie den Parkplatz nicht verlassen konnten, weil ich sie alle blockiert habe. Indirekt habe ich sie natürlich dadurch aufgefordert mir zu helfen. Und siehe da, ein Autofahrer der losfahren wollte, hatte dann plötzlich das passende Werkzeug für mich J Dann habe ich meinen ersten Reifenwechsel meines Lebens vollzogen. Was soll ich sagen? Wie neu. Bin stolz auf mich :D Ne im Ernst, das Auto rollt wieder. Und mir ist auch gleich mal bewusst geworden, dass ich mir vielleicht mal ein wenig Werkzeug anschaffen sollte, falls so etwas nochmal passiert. Mal schauen, ob sich der Reifen nochmal reparieren lässt.

6.Geschichte: Dinner bei Jürgen

Die Reifengeschichte hat mir natürlich den ganzen Nachmittag geraubt. Und wir waren ja bei Jürgen eingeladen. Hastig habe ich dann noch geduscht. Und auf ging es zu Jürgen. Sein Haus war etwa 15 Fahrminuten vom Zentrum entfernt. Jürgen renoviert gerade sein Haus. Er hat uns erstmal alles gezeigt. Wow. Er hat echt ne halbe Villa. Die Hälfte des Hauses hat er angebaut. Total geil. Richtig großes Wohnzimmer und die Front zum Garten kann man total öffnen. Sowas kann man echt nur in den Tropen machen. Viele seiner Möbel hat er aus Indonesien mit einem 40 Fuß Container einschippern lassen. Einfach nur Schick.
Mit dabei waren auch noch Anitha, Michael, Katherine (eine gute Freundin von Jürgen und Anitha, die später dazu kam), Rory, Bea und Jürgens und Michaels Kinder. Ich weiß gar nicht wie ich den Abend beschreiben soll. Es war ein unvergesslicher Abend. Ich glaube ich habe hier in Australien noch nie so herzhaft und viel gelacht, wie an diesem Abend. Alles fing ganz ruhig an. Jürgen hat den Grillmeister gemacht, Anitha und Bea haben in der Küche gewerkelt und ich habe mich ein wenig mit Rory und Michael über Gott und die Welt… ähhh… Gott und Australien unterhalten. Dann haben wir geschlemmt wie die Götter, Lammsteaks, köstlicher Salat, gegrillte Süßkartoffeln und und und. Dann kam noch ein sehr leckeres Dessert auf den Tisch. Letzendlich brach dann der lustige und gemütliche Teil des Abends an. Jürgen hat angefangen die Alkoholreserven zum Tisch zu bringen. Ich konnte ja leider nichts trinken, aber ich sage Euch ich habe mich auch ohne Alkohol sehr amüsiert. Stellt Euch einfach mal vor, ihr sitzt mit 6 anderen Personen an einem runden, edlen, rustikalen balinesichen Holztisch. 7 Personen, 5 Nationalitäten (Jürgen und ich aus Deutschland, Michael und Katherine aus Australien, Rory aus Irland, Anitha aus Indien, Bea aus Amerika). Am Anfang gab es noch sehr interessante Gespräche über die einzelnen Länder. Mit mehr Alkohol fielen dann aber auch die Hemmungen. Die Frauen haben sich nicht mit Sekt und Champagner zurückgehalten, Michael hat immer mehr Bier an den Tisch gebracht und Jürgen den Schnaps aus der Vorratskammer ausgeschenkt. Es fing an, dass Witze über die einzelnen Nationen gemacht wurden. Dann auch Witze über einzelne Personen am Tisch. Jürgen hat es an diesem Abend wahrscheinlich auf Michael abgesehen gehabt. Immer wieder hat er neue Schnapsflaschen an den Tisch gebracht. Hochprozentiges Zeug. Das meist aus Deutschland. Kirschwasser und solches Zeug. Michael war so betrunken am späteren Abend. Er hat dann ein Witz nach dem anderen gerissen ohne jegliche Hemmungen. Zum Teil richtig schmutziges Zeug :D Ich liebe die Australier. Ich hab mich nicht mehr einbekommen. Es war mehr als amüsant. Selten so gelacht.
Ich habe dann noch Bea und Rory nach Hause gefahren. Michael hat, wie ihr vielleicht vermutet, bei Jürgen übernachtet. Dieser Abend hat mir mal wieder gezeigt, dass die australische Mentalität so viel lockerer ist als die Deutsche. Alles ist viel gemütlicher. Alle sitzen beisammen, der Vater (Michael) betrinkt sich und die Kinder laufen um den Tisch herum und hören zum Teil sogar unsere „jugendfreien“ Gespräche. Keinen interessiert es. In Deutschland würde mindestens einer Bedenken äußern, dass man die Kinder doch vielleicht ins Bett schicken sollte. Jeder darf hier am Tisch so sein, wie er sein möchte. In Deutschland muss man halt ein paar Manieren zeigen, wenn man sich mit Bekannten trifft. Nicht hier in Australien. Da kann das Niveau der Gespräche am Tisch auch schon mal ins Bodenlose sinken. Die Männer machen sich über ihre Frauen lustig und umgekehrt. Der Unterschied zu Deutschland ist einfach, die Leute hier in Australien können einfach viel mehr über sich selbst lachen. Das find ich richtig gut. Alles in allem war es ein perfekter Abend und einmal mehr muss ich Jürgen und Anitha für einen wundervollen und unvergesslichen Moment in Australien danken. Ich weiß selber nicht, wieso ich von solchen Momenten immer nie Bilder mache.  Aber solche Momente kann man eh nicht auf Bildern festhalten. Abende wie dieser werden für immer als Erinnerung in meinem Kopf gespeichert sein.

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