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Freitag, 18. April 2014

Südostasien - Ein Fazit

Bevor ich zum eigentlichen Thema dieses Beitrags komme, erzähle ich mal, was die letzten Tage passiert ist. Im Moment sitze ich im Flieger nach Manila (Philippinen) und schlürfe gemütlich ein Bier. Mir geht es gut. Das Bier ist allerdings bitternötig, denn die letzten Tage waren sehr aufregend und es gab die ein oder andere Überraschung. Vor 4 Tagen habe ich Koh Rong verlassen. Ich wollte die Insel gar nicht mehr verlassen, so toll war es dort. Ich kann es nur noch einmal wiederholen. Koh Rong ist der geilste Ort, an dem ich in 6 Monaten in Südostasien war. Nach einer Nacht in Sihanoukville ging es auf eine elendig lange Fahrt. Wenn ihr mir eines glauben könnte, ich bin sooo froh, dass das die letzte Fahrt in einem Langstreckenbus und Minivan war. Man arrangiert sich ja mit so einigem, aber nach den ganzen Fahrten durch Thailand, Laos und Kambodscha bin ich echt froh mal wieder auf einem im Vergleich dazu luxuriösen Flugzeugsitz Platz zu nehmen. Es ging 14 Stunden direkt von Sihanoukville nach Bangkok. Nachdem mir an der Grenze die ganzen Gauner mal wieder Geld aus der Tasche ziehen wollten, wurden wir auf der thailändischen Seite in einen Minivan verfrachtet, der selbstverständlich wieder bis zum Bersten mit Menschen und Gepäck gefüllt war. Keine Klimaanlage und null Beinfreiheit. Als ich dann das Schild „Bangkok 395km“ gelesen habe, konnte ich nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und das Backpackerdasein verfluchen. Haha, das Leben ist schon manchmal echt hart. Gequälte 6,5 Stunden später sind wir ENDLICH in Bangkok angekommen. Frühs um 7 losgefahren und abends um 9 angekommen. Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich ganz schön müde war. Aber der Tag war noch nicht vorbei.
Ich hatte komplett vergessen, dass asiatisches Neujahr ist und in Bangkok das Songkran Festival gefeiert wird. An sich nichts Schlimmes, wenn da nicht tausende Menschen mit Wasserpistolen, Eimern und Gartenschläuchen durch Bangkok ziehen würden. Ja, zum Songkran Festival gibt es in Bangkok eine absolut wahnsinnige Wasserschlacht. Jeder bespritzt jeden. Ich habe noch nie so eine Verschwendung an Wasser gesehen. Jedenfalls war mein Busfahrer so schlau und hat uns an der Khao San Road herausgelassen, was nicht nur Lichtjahre von meinem Hostel entfernt war, sondern auch in mitten der Wasserschlachten war. Idiot. Nach 14 Stunden Fahrt durfte ich mir also erstmal ein paar Wasserduschen abholen. Mit meinen 2 Backpacks habe ich mich dann irgendwie auf ein Motorrad gehieft und konnte entfliehen. Der Tag war aber noch immer nicht vorbei. Im Hostel sah ich jede Menge überdimensionale Wasserpistolen herumliegen. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Nach einer Dusche und meiner ersten richtigen Mahlzeit an diesem Tag, ging es bewaffnet mit Unmengen an Wasser in die „Wasserschlachtmeilen“ von Bangkok. Es war einfach nur genial. Ich spritze einfach jeden direkt ins Gesicht und bekam die dreifache Ladung zurück. Nach nicht einmal 20 Minuten war ich komplett durchnässt. Wenn ihr die Chance habt mal zum Songkran Festival zu gehen, es macht mordsmäßig viel Spaß. Die Straßen sind regelrecht überflutet. Überall stehen Wassertonnen zum nachladen und auf den großen Livebühnen Tanzen die Leute vollkommen durchnässt. Am Ende hat Ben, einer der Hostelbesitzer, dann eine ganzen Karton voll Wasserflaschen gekauft und ich habe dem Tuk Tuk Fahrer 300 Baht gegeben, dass er uns einfach ein wenig durch Bangkok fährt. Ben und ich hatten soviel Wasser auf dem Tuk Tuk und wir haben einfach JEDEN auf unserem Weg und während des Fahrens nass gemacht. Manchmal haben Leute uns hart getroffen mit Gartenschläuchen, die einem halben Wasserwerfer gleichten. Ich hatte soviel Spaß und habe mich fast zu Tode gelacht.  Letztes Mal hat mich Bangkok mit einem Aufstand überrascht und dieses Mal damit. Bangkok ist immer für eine Überraschung gut. Darum mag es wohl auch so gern hier.
Gestern wollte ich mir dann eigentlich noch den Royal Palace anschauen. Daraus wurde aber nichts, da ich mal wieder überrascht wurde. 33 Monate habe ich es irgendwie geschafft, meine 3 wichtigsten Dinge (Kreditkarte, Reisepass, Laptop) nicht zu verlieren. Nun 3 Wochen bevor ich nach Hause gehe, war es soweit. Fragt mich nicht wie, aber die Kreditkarte war weg. Da war der Tag natürlich gelaufen. Zum Glück habe ich noch meine EC-Karte dabei. Mit der wird das Geld abheben zwar ganz schön teuer, aber es sind ja nur noch 3 Wochen. Mit meinen letzten Bahts habe ich heute morgen gerade noch so den Zug zum Flughafen bezahlen können. Hoffe ihr versteht, dass ich mir nach all den Überraschungen gerade ein Bier im Flieger gegönnt habe.


So nun aber zu dem, was ich hier eigentlich schreiben will. Ich bin zwar jetzt noch knapp 3 Wochen in den Philippinen, aber ich möchte trotzdem ein Fazit über Südostasien ziehen. Über 6 Monate bin ich jetzt schon in Südostasien unterwegs. Und es ist einfach eine andere Welt. Bali und Thailand sind zurecht die Touristenorte schlechthin. Die Philippinen locken mit einmaligem Inselleben. Und Laos und Kambodscha geben einem einen einmaligen authentischen Einblick in die die Kultur und Geschichte eines Entwicklungslandes. 
Alle Länder haben traumhafte Orte, was diese ganzen Länder letztendlich zu etwas besonderen macht, ist das Leben und die Menschen hier. Es war meine erste Erfahrung in Entwicklungs- und Schwellenländern überhaupt. Der Lebenstil hier fernab von westlichem Luxus ist einfach super interessant, aber darüber hinaus auch nicht einfach. Die vollgestopften Straßen, die unhygienischen Essensstände, die unzähligen Stromleitungen, die Ladyboys, die unnachgiebigen Tuk-Tuk-Fahrer, der Müll und Plastik überall, der Smog, die Verkehrsstaus. All das und vieles mehr macht Südostasien zu einer ganz besonderen Erfahrung und trotzdem sind es die Gründe, weshalb ich niemals hier leben könnte. Die ständige Hektik in den Städten, die Unorganisiertheit des Transports, die Einfachheit der Behausungen, die Armut auf den Straßen. Nein, das wäre kein Lebensstandard für mich. Da merkt man einfach, dass da Industrieländer noch einen großen Schritt voraus sind. Der Charme jedoch bleibt. 
Ich hatte die Parties meines Lebens. Bei manchen kann ich im Nachhinein immer noch einfach nur den Kopf aus Unglaube schütteln. Eimer mit Alkohol und sogar Drogen werden hier auf den Straßen verkauft, als sei es das Normalste auf der Welt.  Es ist lustig, jeder weiß um die Eigenheiten in Südostasien, und doch liebt sie jeder, weil es diese Eigenheiten sind, die Südostasien zu dem macht, was es ist. Die hunderttausend Tempel, die Bambushütten, der Dschungel, die Wasserfälle, die Palmen. Man kann es irgendwann nicht mehr sehen. Und doch ist es genau das, weshalb jeder hierher kommt.
Und ALLES ist so günstig. Wenn man sich irgendwann mal was gönnen wollte, hier denkt man nicht nach über das Geld, hier macht man einfach, worauf man Lust hat. Ich habe hier einfach soviel unternommen, weil es so billig ist. Das fängt beim Mieten eines Scooters an und hört beim Essen in einem richtigen Restaurant auf. Lust auf Elefanten? Kein Problem. Lust auf Tauchen? Kein Probelem. Lust auf Ziplining? Lust auf Heuschrecken und Würmer? Kein Problem. In Südostasien ist einfach Alles möglich.
Meine Zeit in Südostasien wird einfach unvergesslich bleiben. Seien es Strände, Abenteuer im Dschungel, die Megacitys oder die idyllischen Inseln mit den wildesten Partys. Die Reise in ein Gebiet geprägt von Armut und Reichtum, Prunk und Leid, unberührter Natur und erstickender Städte, devotem Buddhismus und freizügigen Partys war es auf jeden Fall wert.

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